Route de France

Hallihallo!

Dieses Mal schreibe ich aktuelle Ereignisse direkt vom Renngeschehen. Vom 6.8.-15.8. bin ich nämlich bei der Route de France, einer Rundfahrt der höchsten Kategorie (2.1). Mit mir am Start stehen unter anderem Lisa Brennauer, Froydis Waersted, Sara Mustonen, Trine Schmidt und Isabelle Söderberg. Das Ziel unserer Mannschaft ist es, eine Fahrerin in die Top Ten des Gesamtklassements zu bringen.

8.8.: Prolog (6km): Nach der langen Reise an den letzten beiden Tagen (Freitag der Flug München-Amsterdam-Brüssel und am Samstag die Autofahrt in die Bretagne) fühlte ich mich etwas matt und müde. Am Vormittag fuhren wir dann gleich mal 60km um wieder recht lockere Beide zu bekommen und um am Nachmittag wieder fit zu sein. Ich hatte um 15:37 Start. Nervös war ich gar nicht, denn ich hatte keinerlei Erwartungen für mich bei diesem Zeitfahren. Dies hatte natürlich seine Gründe, denn ich durfte nur mein Straßenrad mit in die Bretagne nehmen und war somit so ziemlich die Einzige, die ohne Zeitfahrrad an den Start gehen musste. Dementsprechend doof fühlte ich mich auch neben den Top-Columbia Frauen die schon mit den 2011-Modellen fuhren. Wie nicht anders zu erwarten kam für mich nur ein 71.ter Platz und ein Rückstand von 1:17min heraus. Meinen Teamkolleginnen ging es auch nicht viel besser. Trine Schmitt war mit dem 35ten Platz die beste aus dem Hitec Team. Gewonnen hat die Deutsche Sarah Düster. Morgen sieht unsere Taktik folgendermaßen aus: jede Attacke mitgehen und sich immer vorne im Feld aufhalten, damit man für alles gewappnet ist. Ich werde sehen, wie es mir morgen geht. Ich bin auf jeden Fall mal schon um einiges motivierter und im Grunde kann ich ja nur dazugewinnen….=)

9.8.: Zach, zacher, am Zachsten….kurze Beschreibung dieses Rennens. Schon am Beginn war das Tempo hoch und aufgrund der hügeligen Strecke ging es für mich auch gleich zur Sache. Ich hatte deutlich bessere Beine als am Vortag, langsam schienen sie sich von der Reise zu erholen. Das Rennen bot nicht allzu viele Attacken, aber die ein oder andere ging ich auch mit und fühlte mich eigentlich gar nicht sooo schlecht. Leider bekam ich nach ca. 85km leichte Krämpfe und musst schlussendlich am letzten Schlussanstieg reißen lassen. War aber im Grunde nicht weiter schlimm, da die Gesamtwertung für mich sowieso nicht in Frage kam. Sara belegte im Sprint den passablen 11.ten Platz.

10.8.: Längste Etappe. 129km galt es zu bewältigen. Die Strecke war von starkem Rückenwind geprägt und gleich am Anfang fuhren wir eigentlich immer an die 50-60kmh. Was natürlich Ausreißversuche beinahe unmöglich machte. Die Etappe bot für mich persönlich 2 neue Erfahrungen. Zum einen verbesserte ich meine Feldfahrqualitäten um vieles, zum anderen holte ich zum ersten Mal überhaupt Flaschen vom Convoi für meine Teamkollegen.=) Ich fühlte mich gut und war sogar zuversichtlich im Sprint eine gute Platzierung rauszufahren, doch ein Sturz an der 5km Marke verhinderte dies. 2 Columbia Fahrerinnen verbremsten sich in einer Kurve und brachten somit mehrere Fahrerinnen zu Sturz. Leider auch mich und so rollte ich wiederum mit etwas Rückstand ins Ziel. Dennoch schaffte Sara an diesem Tag den tollen 4ten Platz.

11.8.: Dem Profil nach erwartete ich eine normale Flachetappe mit der ein oder anderen Ausreißergruppe und mit einem Sprint am Ende. Hahaha, weit gefehlt. Schon ab km 1 gingen die ersten Attacken und ich und Isabelle hatten die Aufgabe diese zu verhindern. Der erste Streckenabschnitt führte über einen recht schmalen Feldweg mit viel Wind. Noch dazu kam, dass es aus Kübeln schüttete. Nach etwas 50km voller Attacken setzte sich dann aber doch noch eine 13köpfige Spitzengruppe ab, in der auch Sara vertreten war. Ab ca. diesem Zeitpunkt ging es für mich nur noch bergab. Ich hatte schon am Vorabend Halskratzen verspürt, doch jetzt war es deutlich schlimmer und ich konnte kaum etwas trinken, geschweige denn im Funk auf irgendetwas zu antworten. Ich kam dann mit einer 4-frau Gruppe ins Ziel und merkte dann sofort, dass ich keine Stimme mehr hatte. Mein Hals, meine Ohren und mein Kopf taten schrecklich weh und ich fühlte mich wirklich grottenschlecht. Da half auch Saras toller 2ter Platz nichts mehr. Ich wollte nur noch heim…

12.8.: Nach einer langen Nacht (konnte ewig nicht schlafen) entschloss ich mich doch noch, das 25km lange Zeitfahren in Angriff zu nehmen. Wenn gleich mit nur 80% meiner Leistungsfähigkeit. Dementsprechend kam auch nur ein 66ter Platz raus.

13.8.: Nachdem ich diese Nacht kaum ein Auge zugemacht habe und am Morgen mit leicht erhöhter Temperatur aufwachte, wusste ich, dass ich mit Sicherheit nicht in der Lage war das Rennen am heutigen Tag zu fahren. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit unserem Masseur schon in der Früh zum nächsten Hotel zu fahren und dort auf die anderen zu warten.

Morgen ist dann noch die letzte Etappe für die Mädls und ich wünsche ihnen viel Erfolg! Ich bin sehr traurig, dass ich die 2 letzten Abschnitte der diesjährigen Route de France nicht live miterleben darf. Jetzt freue ich mich nur noch, endlich heimzukommen. Bis dahin dauert es aber noch eine Weile, denn ich werde morgen Abends nach Belgien fahren und erst am Sonntag abends dann zuhause ankommen.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Am 21.August starte ich beim Weltcuprennen Plouay in Frankreich! Also gilt es für mich, in den nächsten Tagen so schnell wie möglich gesund zu werden um dort ordentlich Gas geben zu können!…

Eure Jacqueline

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